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Sprache, Ausdruck, Wirkung - von der Wirkung eines unseligen Sprachgebrauchs

 

Es ist erschreckend, welcher Sprachgebrauch in den letzten Jahren immer mehr politischen, aber auch privaten und gesellschaftlichen Raum greift:

 

Vielfach wird ein vereinfachtes Sprach- und Sprechmuster verwendet, welches aus dem Bereich der Fäkalsprache stammt, werden Worte und Sprachmuster benutzt,die an Herabwürdigung, an Diffamierung kaum mehr zu überbieten sind.

Worte und Sprache, eigentlich als verbindendes Element zwischen Interaktionspartnern gedacht, verkommt, wird roher, wird pauschaler, wird als Waffe für eigene Interessen benutzt. Die Mühsal, zu differenzieren, zuzuhören, sich in die Gedankenwelt Andersdenkender hineinzuversetzen, gar hinein zu fühlen, wird bei bestimmten, extrem anmutenden Interessengruppen  nicht mehr Wert gesehen.

Welches sind die Auswirkungen?

Eine derart gelebte Sprachkultur verdient den Namen nicht mehr, werden hier Brücken der Verständigung, des Verständnisses und des Verstehens mutwillig gesprengt. Eine diskriminierend und rassistisch gesonne Wortwahl, oftmals brüllend - und irreversibel gemeint - vorgetragen, schüchert ein, schürt Angst und lässt den argumentativen Austausch weit hint an stehen.

 

Da stellt sich für mich schon die Frage, wo wir eigentlich leben, in welcher Gesellschaftsform und geprägt von welchen Idealen?

Es ist doch eben gerade unsere Staatsform, die Demokratie, die uns allen Rechte und Freiheiten bietet, die es eben in Diktaturen nicht gibt.

Die Menschen, die hier in diesem Lande leben, sollten immer bedenken, dass sie hier das Recht haben, ihre Meinung zu artikulieren, ihren Unmut auch mit aus ihrer Sicht politischen Zuständen, ad demonstrandum zu äußern.

 

Aber die gegenwärtig wahrzunehmenden Artikulationsformen zeichnen nicht nur Derbheit, Einschüchterung, weil vermutlich der Argumentation nicht willig und fähig, sondern sind überdies auch unter Vorbildfunktion für unsere Kinder und Kindeskinder alles andere als orientierend - es sei, wir wollen unsere künftige Gesellschaft in bürgerkriegsähnliche Zustände hinein katapultieren, es sei, wir wollen unsere Kinder so im Haß erziehen, dass auch hier kriegsähnliche Zustände zwischen Andersdenkenden möglich werden.

 

Wittgenstein schrieb einmal von den Grenzen der Welt, die durch den eigenen Sprachgebrauch vorgezeichnet sind. Wer so abwertend formuliert, trägt sein Inneres, seine innere Empfindung ins Äußere, nutzt und benutzt Andere als Blitzableiter für sein eigenes Weltbild - und wir alle sollten uns fragen, ob wir dies wirklich wollen und zulassen können?

 

Wenn wir jedoch Menschen, vor allem jungen Menschen vorbildhaft Orientierung geben wollen, ihnen Werte wie Toleranz, Offenheit und Weltoffenheit näher bringen wollen, so ist es unser aller Aufgabe, ihnen mit einem angemessenen Sprachgebrauch zu begegnen.

Angemessen dabei bedeutet für mich u.a., einen differenzierten Austausch zu ermöglichen, möglichst begründet und dabei seriös den Anderen ernst nehmend, selbst wenn dessen Anschauung erst einmal befremdet. Auch der Wahl des Wortes kommt eine wesentliche Bedeutung bei, beinhaltet dieses bereits eine Wertung und Bewertung, zeugt von Respekt oder zeitigt Verunglimpfung und Herabwürdigung.

Dafür ist es aber auch notwendig, dass in dieser Gesellschaft Verantwortung tragende, prägende Institutionen und Repräsentanten sich eines ethisch wertigen Sprachgebrauchs befleissigen.

 

Ich finde es erschütternd, macht mich betroffen, gar traurig, vergegenwärtige ich mir den Sprachgebrauch so manchen Politikers, fühlend, dass einige bewusst vereinfachen, zündeln - als ob wir keine Geschichte hätten.

Dabei geht es nicht nur um die Wahl des Wortes, sondern auch um deren Anwendung und / oder Unterlassung: Sich gegen politisch motivíerten Wortmissbrauch wenden und Klartext reden, sich ausdrücklich gegen Denunziation, Beleidigung, Polemik zu stemmen, ist für mich das Gebot der Stunde.

 

Gleichermaßen macht es mich nachdenklich, betrachte ich mir Darbietungen im Spielfilmformat - und dies auch von den Öffentlich - Rechtlichen zur besten Sendezeit, der auch junge Menschen noch beiwohnen- wo in 90 Minuten zumindest ein bekanntes Wort aus der Fäkalsprache das vorherrschende ist...

Sowohl von staatstragenden Institutionen, als auch von Pädagogen und insbesondere von Eltern sollte früh- und rechtzeitig verunglimpfenden, undifferenzierten Wörtern, Phrasen und Wortfeldern Einhalt geboten werden.

Wir alle sind auch nur Menschen und ein Jeder von uns vergreift sich mal im Ton und in der Wahl des angemessenen und gerechten Wortes. Vergegenwärtigt sich dies jedoch zu einem gewöhnlichen Sprachmuster, ohne Gespür für deren Wirkung, so öffnen wir Tore sprachlicher Verrohung und leisten einer sprachlich - undifferenzierten Formulierung Vorschub ...

...und wenn die Sprache der Motor des Handelns ist...

 

 

 

 

 

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